
Dem Trend, Gewalt zu einer menschlichen Konstante zu erklären, muss man bereits auf der Ebene der Begriffe begegnen. Frieden denken unter Bedingungen des Krieges. Von Hannes A. Fellner.
In diesen Tagen erscheint das neue Heft der Zeitschrift Marxistische Blätter mit dem Schwerpunkt „Militär Republik Deutschland? Ohne uns!“
Die junge Welt veröffentlichte am 17. April den gekürzten Aufsatzes „Frieden denken unter Bedingungen des Krieges. Von Hannes A Fellner.
Hannes, A. Fellner ist Professor am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. In seinem Aufsatz schreibt er: „Krieg erscheint in der gegenwärtigen politischen Öffentlichkeit zunehmend als ein Zustand, an denen man sich zu gewöhnen habe.“ Mehr und mehr wird Krieg als unausweichliche Begleiterscheinung, als alternativlose Reaktion auf Bedrohungen, zur Abschreckung oder als friedensstabilisierende Maßnahme dargestellt. Als Sprachwissenschaftler weist er darauf hin, dass sich diese Normalisierung des Krieges keineswegs nur auf der militärischen Ebene vollzieht, sondern auch auf der begrifflichen Ebene. Auch wer schon verstanden hat, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Kampfhandlungen bedeutet, findet in Fellmers Ausführungen zum Friedensbegriff, zur Geschichte der Friedensidee viele bereichernde und aufschlussreiche Gedanken.
Zunächst räumt er mit der Vorstellung auf, dass Krieg zur menschlichen Natur gehöre und sozusagen unser ewiges Schicksal sei.
Kriege entstehen nicht, weil der Mensch von Natur aus aggressiv oder kriegerisch ist, nein, Kriege entstehen aus gesellschaftlichen Strukturen von Herrschaft, Konkurrenz und Ausschluss. Diesen Punkt zu erkennen, und gründlich zu reflektieren, ermöglicht erst, den Frieden aus dem privaten Bereich aus dem persönlichen ins politische zurückzubringen.
Es geht in dem Aufsatz weiterhin um die Geschichte der Friedensidee, dem Friedensbegriff als Waffe, Kapitalismus und Krieg, Frieden und Gewalt, Die liberale Illusion- eine der wirkmächtigsten Ideologien des Kapitalismus. Suggeriert wird die Vorstellung, Frieden entstehe sozusagen automatisch aus der Verbreitung liberaler Institutionen. Aktuell ist es mehr als offensichtlich, wie gerade jene Staaten, die sich als Vorreiter von Demokratie und Freiheit präsentieren, expansive Kriege zu führen, so wie sie es schon immer getan haben. Und wie der Friedensbegriff sich verändert. Wer bestimmt den Diskurs? Darüber verliert der Aufsatz kein Wort und regt doch sehr intensiv das eigene Denken an, und das macht ihn so wertvoll. Sehr schön seine Schlußbetrachtung: ….“Frieden ist weder bloßes Ideal noch bloße Strategie, sondern eine Bedingung der Möglichkeit zukünftiger Geschichte. Ihn zu denken heißt, die Grenzen des Bestehenden zu erkennen-und sogleich die Notwendigkeit ihrer Überschreitung.“







