Er hat es getan – der 91-jährige Herr Wohler hat sich bei dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages zum Dienst in der Reserve gemeldet. Qualifikation: Noch echte Fronterfahrung – und wie es in Berlin aussieht, wenn alles um einen herum brennt, weiß er auch. Der Brief an Henning Otte erreichte die NachDenkSeitenals Leserzuschrift.
Der vormalige Rhein -Metall-Manager und jetzige Bundestagsabgeordnete Bastian Ernst (CDU) sieht die Vorteile der Erhöhung der Altersgrenze für Reservisten auf 70 Jahre: »Das Renteneintrittsalter steigt ja auch sonst. Die Leute bleiben länger fit. Wir sollten diese Ressourcen von Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung nicht verschwenden«.
Dem Trend, Gewalt zu einer menschlichen Konstante zu erklären, muss man bereits auf der Ebene der Begriffe begegnen. Frieden denken unter Bedingungen des Krieges. Von Hannes A. Fellner.
Die junge Welt veröffentlichte am 17. April den gekürzten Aufsatzes „Frieden denken unter Bedingungen des Krieges. Von Hannes A Fellner.
Hannes, A. Fellner ist Professor am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. In seinem Aufsatz schreibt er: „Krieg erscheint in der gegenwärtigen politischen Öffentlichkeit zunehmend als ein Zustand, an denen man sich zu gewöhnen habe.“ Mehr und mehr wird Krieg als unausweichliche Begleiterscheinung, als alternativlose Reaktion auf Bedrohungen, zur Abschreckung oder als friedensstabilisierende Maßnahme dargestellt. Als Sprachwissenschaftler weist er darauf hin, dass sich diese Normalisierung des Krieges keineswegs nur auf der militärischen Ebene vollzieht, sondern auch auf der begrifflichen Ebene. Auch wer schon verstanden hat, dass Frieden nicht nur die Abwesenheit von Kampfhandlungen bedeutet, findet in Fellmers Ausführungen zum Friedensbegriff, zur Geschichte der Friedensidee viele bereichernde und aufschlussreiche Gedanken.
Zunächst räumt er mit der Vorstellung auf, dass Krieg zur menschlichen Natur gehöre und sozusagen unser ewiges Schicksal sei.
Kriege entstehen nicht, weil der Mensch von Natur aus aggressiv oder kriegerisch ist, nein, Kriege entstehen aus gesellschaftlichen Strukturen von Herrschaft, Konkurrenz und Ausschluss. Diesen Punkt zu erkennen, und gründlich zu reflektieren, ermöglicht erst, den Frieden aus dem privaten Bereich aus dem persönlichen ins politische zurückzubringen.
Es geht in dem Aufsatz weiterhin um die Geschichte der Friedensidee, dem Friedensbegriff als Waffe, Kapitalismus und Krieg, Frieden und Gewalt, Die liberale Illusion- eine der wirkmächtigsten Ideologien des Kapitalismus. Suggeriert wird die Vorstellung, Frieden entstehe sozusagen automatisch aus der Verbreitung liberaler Institutionen. Aktuell ist es mehr als offensichtlich, wie gerade jene Staaten, die sich als Vorreiter von Demokratie und Freiheit präsentieren, expansive Kriege zu führen, so wie sie es schon immer getan haben. Und wie der Friedensbegriff sich verändert. Wer bestimmt den Diskurs? Darüber verliert der Aufsatz kein Wort und regt doch sehr intensiv das eigene Denken an, und das macht ihn so wertvoll. Sehr schön seine Schlußbetrachtung: ….“Frieden ist weder bloßes Ideal noch bloße Strategie, sondern eine Bedingung der Möglichkeit zukünftiger Geschichte. Ihn zu denken heißt, die Grenzen des Bestehenden zu erkennen-und sogleich die Notwendigkeit ihrer Überschreitung.“
die Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen“ hat es mit dem Thema „Keine Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland“ unter die ersten 20 Themen in der Volksabstimmung von Abstimmung21 geschafft! Die Initiative Abstimmung21 ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Einführung bundesweiter Volksabstimmungen einsetzt.
Wir haben noch bis zum 15. April 2026 Zeit, um es unter die ersten drei Themen zu schaffen, über die es dann im Herbst eine Volksabstimmung geben wird, an der sich im letzten Jahr über 80.000 Menschen beteiligt haben. Unser Thema liegt aktuell nur auf Platz 18 mit knapp 4.400 Stimmen.
Ohne jegliche parlamentarische oder gesellschaftliche Debatte vereinbarte 2024 die deutsche mit der US-amerikanischen Regierung die Rückkehr von landgestützten US-Mittelstreckenwaffen auf deutschem Boden. Nach über 35 Jahren, in denen diese gefährlichen Waffen aus Europa verbannt waren, soll die Stationierung in diesem Jahr beginnen. Diese Entscheidung beendet die Ära der gegenseitigen Rüstungskontrolle zwischen den USA und Russland. Wir kehren zurück in eine Logik, in der Sicherheit nur durch immer mehr Raketen definiert wird. Jede neue Waffe auf der einen Seite provoziert weitere Aufrüstung auf der Gegenseite. Dieses Wettrüsten verschlingt Milliarden und verringert unsere tatsächliche Sicherheit. Durch die Stationierung dieser strategisch entscheidenden Angriffswaffen droht Deutschland im Konfliktfall zum vorrangigen Ziel zu werden.
9.April 2026 Von Philip Tassev in der jungen Welt:
Bundesregierung begrüßt Waffenruhe im Iran – aber keine Distanzierung von Trumps Völkermorddrohungen. Linke fordert Abzug der US-Truppen aus der BRD
Noch vor Trumps letzten Drohungen zerstörten USA und Israel auch Schulen und Hochschulen im Iran (Teheran, 4.4.2026) junge Welt
….“Kein offizielles Wort verlor die Bundesregierung hingegen zu der völkermörderischen Drohung ihres »Partners« Donald Trump, der am Dienstag noch verkündet hatte, er werde die »gesamte Zivilisation« im Iran vernichten, sollte Teheran sich nicht beugen. Die Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, kritisierte das. »Selbst dann, wenn Trump damit droht, eine ganze Zivilisation auszulöschen und damit eindeutig rote Linien überschreitet, bleiben klare Worte der Kritik aus Berlin aus«, sagte sie gegenüber Reuters am Mittwoch. Der »selbsternannte Außenkanzler Merz« habe sich bislang »vor allem durch politisches Duckmäusertum gegenüber Donald Trumps zerstörerischer Politik hervorgetan«. Die Haltung der Bundesregierung sei »feige« und mache Deutschland in künftigen Konflikten erpressbar. Eine »souveräne europäische Politik« müsse statt dessen der »kriegstreibenden Linie Trumps entschlossen entgegentreten«. Das bedeute auch, »dass US-Basen wie Ramstein unverzüglich geschlossen werden müssen«…..
Der Heldenstaat, das Spiegelprinzip und warum Krieg überflüssig wird, auch wenn es gerade nicht so aussieht.
Übersetzt von Ingrid Suprayan, Bobby Langer und Christa Dregger (Zeitpunkt). Die englische Originalfassung dieses Essays ist hier zu finden.[Dieser Artikel ist unter einer Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 3.0 Deutschland) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen darf er verbreitet und vervielfältigt werden.]