Eugen Drewermann:
Und der Straßenfuchs war auch dabei:
Gehorsam verweigert
Ostermärsche in Deutschland: Bessere Beteiligung als im Vorjahr. Junge Menschen protestieren gegen Wehrdienst. Diesbezügliches Gesetz verlangt Meldepflicht bei Verlassen des Landes Von Kristian Stemmler, junge Welt, 7. April 2026
Reden vom Ostermarsch: „Bedrückend ist, wie seit Februar 2022 eine schleichende Militarisierung unsere Gesellschaft durchzieht“
Ein Artikel von Bernhard Trautvetter am 7.April in den Nachdenkseiten
Rückmeldungen:
Ihr Lieben,
gestern hat der Ostermarsch auch in Fulda stattgefunden: Die Kundgebung/Friedens-rede von Dr. Eugen Drewermann war sehr gut; er ist übrigens 85 Jahre; ich hatte ihn in 1989 als einen Autor für mich entdeckt. Ich selbst war vom „Friedensforum Osthessen“ aus mit dabei; seht gern den gleichnamigen Telegram-Kanal. Schifferklavier und Gesang von Philipp Hoffmann waren belebend; auf Youtube kann man Friedenslieder von ihm hören 🕊Die Ansprache des jugendlichen, Fuldaer Sprechers von „Jugend gegen Wehrpflicht“ war berührend. Ich hatte auch noch nicht die neuen wehrpflicht-bezogenen Ausreise-bestimmungen gekannt (dt. Gesetz seit Januar 2026). Ich hoffe, die Deutschen werden mit ihren traditionellen Werten den Frieden in der Welt fördern; ich sehe das als unsere Berufung. Allen wünsche ich ein gesegnetes, friedvolles Osterfest 2026! 🌼
Liebes Team,
wir waren am Samstag mit beim Friedensmarsch und möchten uns herzlich für Ihr Engagement bedanken.
Ich habe mich allerdings gefragt, warum das neue Wehrpflichtgesetz nicht deutlicher zur Sprache kam.
Es betrifft Millionen Männer zwischen dem 17ten und 45ten Lebensjahr, die seit dem 01.01.2026 ohne Antrag und dessen Genehmigung, Deutschland nicht mehr verlassen dürfen.
Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht, auch wenn es nicht vollständig ist, erlaube ich mir, sie Ihnen mitzuteilen.
Meine Auseinandersetzung zum Thema Wehr – und Antragspflicht und Gesellschaft
Ich habe mich erst kürzlich mit den Lehren Adlers auseinandergesetzt und stieß dabei auf die zwischenmenschlichen Beziehungsebenen.
Adler spricht hier von horizontalen und vertikalen Beziehungen und was es heißt in welcher Beziehung wir leben und erzogen werden. Was heißt das also? Und was bedeutet eine Wehr – und Antragspflicht eigentlich für Männer und die Gesellschaft?
Männer werden noch vor Ende der Schulpflicht in die Wehrpflicht überführt, was heißt es gibt keine Wahlmöglichkeit diesen zwei Zwängen zu entkommen. (So das neue Gesetz)
In Deutschland sind Schule und Militär hierarchisch strukturiert, was wiederum heißt die Beziehungen verlaufen von oben nach unten, also Macht und Unmacht.
Wir haben seit dem Jahr 2011 ein aussetzen der Wehrpflicht erlebt, und die zwischenmenschlichen Beziehungen haben sich, finde ich, deutlich verbessert.
Ein überwiegender Teil der Männer konnte in vielen Bereichen soziale Verantwortung lernen und übernehmen, was für Gesellschaft von großer Bedeutung ist.
Vertikale Beziehungen wurden zu horizontalen Beziehungen und führten letzten Endes zu mehr Gleichberechtigung der Geschlechter und ein besseres soziales Miteinander.
Doch was passiert mit Einführung der Antrags – und Wehrpflicht mit den jungen Menschen die von sechs Stunden täglicher Hierarchie (Schule) plötzlich in eine 24/7 Hierarchie gezwungen werden.
Und dem bitteren Gefühl, Jahrzehnte nicht mehr frei entscheiden zu können, wann, wohin und wie lange sie Reisen.
Diese jungen Männer mit wenig Lebenserfahrung sind noch voll in der Prägephase sozial wie auch mental, sind sie danach noch in der Lage zu ihren Mitmenschen horizontale Beziehungen aufzubauen?
Was gesellschaftlich, in der Partnerschaft und Familie von ihnen verlangt wird.
Wie verhält sich ein Mensch nach Jahrelangem lernen von Macht und Unmacht. Die meisten werden dieses Gelernte mit in ihr weiteres Leben nehmen und immer wieder auf Widerstand stoßen, ob in der Gesellschaft, in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz.
Ich befürchte die verbale und körperliche Gewalt wird wieder zunehmen.
Denn keiner fühlt sich verantwortlich, diese Menschen an die Hand zunehmen und sie liebevoll, darauf vorbereiten, dass es zwei Leben für sie gibt, ein vertikales und horizontales Leben. Und selbst wenn es so wäre, dass es da Menschen gäbe, die diese Aufgabe übernehmen würden, bliebe doch noch immer der geistige Spagat der Betroffenen selbst, zwischen der eigen Unmacht und Gleichwertigen Beziehungen zu ihren Mitmenschen zu führen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das inzwischen doch deutlich gebesserte soziale Miteinander, sich weiter verbessert, sondern befürchte, dass wir gesellschaftlich weit zurück geworfen werden.
Ich glaube nicht, dass eine so massive ungleiche Behandlung der Geschlechter ohne Folgen für das friedliche und soziale Zusammenleben der Menschen bleiben wird.
Dabei waren wir auf einem so guten Weg.
Weil man so gar nichts über dieses Thema hört, sind es vielleicht auch nur meine Bedenken.
